24. Juli 2007
Dieter Speck
Dieter Speck ist Diplom-Psychologe und Psychotherapeut. Moderator von Radio- und Fernsehsendungen. Leiter einer psychologischen Beratungsstelle. Buchautor. Und ehemals ehrenamtlicher Richter am Verwaltungsgericht. Tätigkeiten, die ihn mit unterschiedlichsten Menschen zusammenführen. Vom „trouble-shooting" in Institutionen bis zum „Ehekrieg" ist Speck Ratgeber, wenn es darum geht, „die Kuh vom Eis" zu bringen.
Wie erleben Sie es, wenn Sie sich einem neuralgischen Punkt nähern, ihn finden und ihn zu drehen helfen?
Es macht mir Spaß, neuralgische Punkte aufzuspüren und bei der Drehung zu helfen. Ich sehe mich dabei wie ein Navigator, der dem Klienten "Bitte wenden!" sagt. Entscheidend ist, daß der Mensch dann in die richtige Richtung fährt und zu seinem Ziel kommt. Nicht entscheidend ist, an welcher Straßenkreuzung des Lebens er falsch abgebogen ist. Da unterscheide ich mich meilenweit von vielen klassischen Kollegen und Therapeuten, die gerne nach dem "Warum?" fragen. Da findet man dann in endlosen Sitzungen heraus, daß man mal vor x- Jahren an der falschen Ecke abgebogen ist, aber in die richtige Richtung fährt man dann noch immer nicht. Ich frage nach dem "Wohin?", dem Ziel also, und nach dem "Wozu?", dem Sinn dessen, worum es im Leben geht und was wir aus unseren Fehlern zu lernen haben. Und wenn dann meine Klienten und Kunden ihre Probleme gedreht kriegen und ich ihnen dabei helfen kann, dann ist das oft wie eine kleine Geburt. Es erfüllt mich mit tiefer Befriedigung und macht einfach Spaß!
Haben Sie für sich ein klares Ziel, ein Wohin und Wozu vor Augen oder lassen Sie sich mehr von Ihren eigenen Problemen und Herausforderungen zu etwas Neuem, Ihrem Sinn führen?
Die Frage läßt mich schmunzeln: Da ich ein Buch darüber geschrieben habe, wie man seine Ziele verwirklicht ("Warum tun Sie nicht das, was Sie schon immer tun wollten?") steht die Zielsetzung am Anfang. Je klarer das WOHIN, um so leichter ist es erreichbar. Das WOZU prüft dann, ob die Ziele wirklich sinnvoll sind. Die meisten Menschen sind eher ziellos und stellen sich beide Fragen nicht. Probleme aber sind Herausforderungen. Sie zeigen an, daß etwas zu lösen ist. Ich denke daher lösungs- und nicht problemorientiert. Und was den Sinn angeht: Der steckt hinter allem. Es gibt kein "Schicksal" im klassischen Sinne, sondern in unserem Schicksal, in unseren Problemen stecken Botschaften, die wir für uns entschlüsseln müssen. Fortschritt gibt es gerade durch Probleme und Krisen, in denen man reifen kann und dann neue Wege entdeckt. Diesen Impuls aber hat man weit weniger, wenn alles glatt läuft. Also haben Krisen und Probleme durchaus ihren Sinn.
Wie motivieren Sie sich und was tun Sie täglich selber, um den Blick immer wieder nach vorne zu richten?
Ich motiviere mich, indem ich in jeden Tag und in jedes wichtige Gespräch mit Affirmationen hineingehe. Ich verfilme im Kopf mein Traumergebnis. Das führt zu guter Laune, zu guten Schwingungen, mit denen ich dann in den Tag und in die jeweilige Besprechung gehe. Da ich dann anders drauf bin, überträgt sich das auch auf alle anderen, und so finden wir nicht selten mein Traumergebnis. Außerdem meditiere ich regelmäßig, um Kraft zu schöpfen. Man muß einfach wissen: Es gibt negative und positive Schwingungen, und mein Ziel ist es, in den positiven Schwingungen zu verbleiben.
Was genau sagen Sie sich, wie sieht ein solcher Film in Ihrem Kopf aus und welche Rolle spielt Ihr Glaube in Ihren Meditationen?
Was ich mir sage, hängt von der jeweiligen Situation ab. Aber ich denke nicht darüber nach, was alles nicht klappen könnte und daß ja alles keinen Zweck hat, sondern ich stelle mir sehr konkret das Ergebnis vor, das ich gerne hätte. So sehe ich mich vor schwierigen Besprechungen locker, entspannt und souverän. Ich achte meine Gesprächsteilnehmer, und wir kommen am Ende zu einem Ergebnis, das alle zufrieden macht. So sehe ich dann strahlende Gesichter. Und nicht selten läuft es dann genau so. Mein Glauben, der längst ein Wissen ist, weiß mich und uns alle eingebunden in den großen kosmischen Gesamtzusammenhang, den wir hierzulande Gott nennen. Ich fühle mich getragen in dem Wissen "You'll never walk alone". Und allein das schon gibt Kraft und relativiert so manche aktuelle "Tageskacke".
Gab und gibt es bestimmte Ereignisse, wie Sie Ihr Wissen um den großen kosmischen Gesamtzusammenhang erfahren?
Nun, ich habe mich viele Jahre mit Theoretischer Physik und mit Kosmologie beschäftigt, um von dieser Seite aus zu verstehen, wer wir sind, woher wir kommen und wohin wir gehen. Gleichzeitig aber habe ich persönlich und mit vielen Klienten Erfahrungen gemacht, die durch die klassischen Wissenschaften alleine nicht interpretierbar sind. Ich habe Menschen getroffen, die Dinge wissen, die sie gar nicht wissen können, wie z.B. die Frau, die plötzlich spürt, daß ihrer Schwiegermutter, die 20 km entfernt lebt, etwas zugestoßen ist. Sie schickt ihren Mann dorthin, der dann seine Mutter hilflos mit einem gebrochenen Bein im Keller findet, weil sie die Treppe hinunter gestürzt ist. Woher "weiß" diese Frau das? Die Antwort darauf gibt uns der renommierte Biologe Rupert Sheldrake in seinem Buch "Der siebte Sinn des Menschen". Dies und viele ähnliche Erfahrungen zeigen mir, daß es ein kosmisches Gesamtsystem gibt, das wir in diesen Breiten "Gott" nennen. Und nicht zuletzt zeigen uns die Nahtoderfahrungen von Millionen von Menschen, daß mit dem Tod nur der Körper stirbt. Das ganze Universum besteht aus Schwingungen, die manche Menschen wahrnehmen können, weil sie diese Gabe haben, eine Gabe, die man übrigens trainieren kann. Wenn man das alles begreift, kommt man aus dem freudigen Staunen nicht mehr heraus und wird zugleich demütig.
Wie macht sich diese Gabe bemerkbar - vermutlich ist sie für begabte Menschen ja völlig normal? Wie lässt sich die Gabe trainieren?
Sie haben recht: Derart begabte Menschen merken erst einmal gar nicht, daß sie diese Gaben haben. Für sie ist das normal. Sie merken es erst an den Reaktionen ihrer Umwelt. Und das macht sie oft vorsichtig. Sie halten sich oft sogar für verrückt, ohne es jedoch zu sein. Ja, man kann auch diese Gaben trainieren. Wie jede Gabe übrigens. Aber das WIE, das würde den Rahmen dieses Interviews sprengen.
"Probleme sind lösbar. Packen wir sie gemeinsam an." In Ihrem Brief an Ministerpräsident Jürgen Rüttgers und Schulministerin Barbara Sommer haben Sie einen Sieben-Punkte-Plan zur Gewaltprävention an Schulen vorgeschlagen. Warum wird Ihr Antigewaltkonzept funktionieren und welche Reaktionen und Resultate haben sich bereits ergeben?
In meiner Position bekommt man auf so einen Brief nicht einfach das üblich freundlich-nichtssagende Antwortschreiben sondern man wird ins Ministerium eingeladen und darf dort zwei Stunden mit dem zuständigen Abteilungsleiter talken. Der versichert dann, daß der Ministerpräsident und die Ministerin alles Erforderliche tun werden. Nur eines, so zeigt das Gespräch auch, werden sie sicher nicht tun: So hart und so entschlossen durchgreifen wie ich dieses in ihrer Position täte, um dem Land zu zeigen, daß dort, wo Gewalt existiert, Schluß mit lustig ist. Und so bleibt es dann beim Kaffee und kommt gar nicht erst zu dem von mir vorgeschlagenen Vierergespräch mit Frau Sommer, Herrn Rüttgers, dem freundlichen Abteilungsleiter und Herrn Speck, denn die drei übrigen Herr- und Frauschaften haben sicher Wichtigeres zu tun als auf dem Gebiet der Schulgewalt weit über NRW hinaus Akzente zu setzen.
Warum das Konzept funktioniert? Ganz einfach: 1. bindet es jeden Lehrer, jeden Schüler und alle Eltern ein, und 2. ist es ein Konzept der Entschlossenheit, daß jedem Schüler zeigt, was passiert, wenn er gewalttätig wird. Man muß es halt nur umsetzen und nicht nach Ausreden schielen, warum man es nicht tut. Aber das entspricht der allgemeinen Landschaft: Überall schlägt die Stunde der Bürokraten und der Bedenkenträger, die scheinbar alles verstehen, aber immer auch genau erklären, warum man das, was vernünftig erscheint, nun gerade nicht tut bzw. tue man es doch, nur nicht so, im Prinzip aber doch, wenn nicht sogar noch besser, und natürlich verstehe man das alles ja und mache ja doch schon so vieles, selbstverständlich längst nicht alles, aber doch einiges... Danke für den Kaffee! Gut, daß wir mal miteinander geredet haben! Ach, Herr Heseding, und wenn Sie mich nun noch fragen sollten, ob ich noch mal Lust hätte, ungebeten solche Konzepte und Ideen zu entwickeln: Sicher nicht. Ich brauche auch keinen Kaffee mehr. Ich trinke längst Tee.
Herr Speck, herzlichen Dank für das Interview.
Dieter Speck ist am 28. Januar 2009 im Alter von 60 Jahren gestorben.