25. Juli 2007
Eva Schoch
Eva Schoch ist mehrsprachig und in verschiedenen Ländern aufgewachsen. Sie studierte an den Universitäten Stuttgart und Mannheim und an der PH Heidelberg Romanistik und Geschichte auf Lehramt und unterrichtete an Gymnasien. Mit internationalen Jugendlichen arbeitete sie integrativ und war Dozentin an der Berufsfachschule für Mode. Praktische Erfahrungen in Unternehmensführung sammelte sie über Jahre im Handwerk. Eva Schoch arbeitet heute als Mentorin und Coach. Sie konkretisiert mit ihren Klientinnen und Klienten (Geschäfts-) Ideen, benennt Ziele, erarbeitet Strategien, enthüllt Eigenschaften des persönlichen Erfolgs, fokussiert Menschen auf das Wesentliche, begleitet sie in Veränderungen und vernetzt Kompetenzen in Teams. Sie erstellt Texte mit individueller, ausdrucksstarker Note und findet für Klienten den zu ihnen passenden verbalen Ausdruck ihrer Unverwechselbarkeit. Seit 1985 engagiert sie sich beruflich und ehrenamtlich für die Berufstätigkeit von Frauen und Ausbildung von jungen Menschen. Meilensteine: Red. und Chefredakteurin der Verbandszeitschrift BPW Journal (2000-2005), Expertin für Networking und Netzwerke: Gründung von Eva Schoch Erfolgsstrategie 2002, Werkstatt - Interpretation von Veränderungsprozessen in Farben und Stoff 2005/2006, Gestaltung von farbigen Stoffbahnen in Quilttechnik mit Glas (2007), erste Kurzerzählungen, von Nordafrika bis England.
Wie schaffen Sie es loszulassen, um die Hände für Neues frei zu bekommen?
Das wirkliche Loslassen lehrt mich das Leben. Wenn ich Aufgaben annehme, mich mit Dingen belaste, die nicht wirklich zu meiner Richtung gehören, gehen die Angelegenheiten stotternd voran und die Beziehungen bleiben stecken. Es gibt teilweise banale, teilweise massive Störungen und Verhinderungen. Bei Herausforderungen, die von mir auch gern viel Energie und Einsatz erfordern, die jedoch zu meiner Richtung gehören, gehen die Dinge viel glatter, einfacher voran. Und da wir auf dieser Erde nicht grenzenlos Zeit haben, die Dinge zu verwirklichen, die wir anstreben, sortiere ich vor allem das aus, was man vielleicht unter „Gefälligkeiten“ und „Manipulation“ verstehen kann. Um angemessen loslassen zu können, muss man sich schon auch gut selbst kennen, gern agieren wollen, statt reagieren, und eine Umgebung bevorzugen, die ein selbstbestimmtes Handeln akzeptiert und bestenfalls fördert.
Unter Richtung verstehe ich das, was man wirklich gut kann - Fähigkeiten, Talente, Fertigkeiten, Vorlieben und auch Visionen. Und nicht vergessen: Die Entwicklung des Menschen soll auch immer ein Entfaltungsprozess sein, der schließlich zur Kreativität und Freiheit führt. Und das alles beginnt im Denken, im Durchdenken der Gegebenheiten, oder schlicht gesagt: Immer wieder hinschauen, was man annimmt, für die Wahl die volle Verantwortung übernehmen und nicht vergessen, die Energie sinnvoll einteilen. Diese Klarheit steuert dann alles in die richtige Richtung.
Was ist Ihre persönliche Vision, und wie wissen Sie, dass das wirklich Ihr Traum ist?
Eine Vision ist ein Gefühl für etwas Ungenaues, Vages. Es ist zunächst eine nicht klar zu beschreibende Sehnsucht. Wie die Zukunftsforscher ja sagen, fehlen für die Beschreibung von Visionen zunächst die passenden Worte. Während die Wissenschaftler im Vorfeld oft „un“-sinnige Projektbeschreibungen liefern müssen, damit sie z.B. Geldzuschüsse für ihre Versuche bekommen, kann der Mensch es günstiger haben: einfach vertrauen. Lassen Sie mich dazu ein Bild zeichnen: Woher weiß die Knospe, dass sie sich bald zu einer herrlichen Rose entfalten wird? Sie weiß es nicht. Und wächst weiter. Sie bringt die für den Entfaltungsprozess nötige Geduld und Energie auf. Und wenn es dann Menschen gibt, die bemerken, dass hier bald eine Rose aufblüht, kann sie es glauben - oder nicht. Woher weiß die Rose, was das Wort „Rose“ bedeutet? Das Wort allein wird den Prozess weder beschleunigen, noch abbrechen. Daher kann auch ich nur eine Ahnung davon haben, was aus meiner Vision entstehen wird.
Aber es gibt doch noch was, was der Vision ein Quäntchen an beginnender Realisierung gibt: Die Reaktion der Außenwelt. Noch bevor wir selbst verstanden haben, dass hier eine Knospe im Begriff ist, bald eine Rose zu werden, reagiert die Außenwelt schon mit der Abfrage genau dieser Dienstleistung, Ware oder Idee, was Sie wollen. Und plötzlich geschehen viele „Zu-fälle“, die der Rosenentfaltung beistehen. Wie sich allerdings der Mensch während des Entfaltungsprozesses fühlt, ist sehr individuell.
So, nun wollen Sie es konkret von mir wissen. Also gut, ich bekenne, dass ich gerne Kurzgeschichten schreibe – über Menschen, gleich, wo sie leben mögen. Das Schreiben ist wie eine innere Befreiung für mich. Und die „Zu-fälle“ in der Außenwelt haben begonnen und sagen mir leise: Mach weiter. Darüber bin ich sehr glücklich. Und schreibe weiter.
Was tun Sie konkret, um im manchmal lauten Alltag die leisen Zu-fälle nicht zu übersehen?
Die Zu-fälle muss man hören bzw. wahrnehmen wollen, darum geht es. Menschen reagieren viel zu oft skeptisch, gar misstrauisch auf Lob und Anerkennung statt diese Impulse tatsächlich als positive Hinweise auf die eigenen Fähigkeiten anzunehmen. Das hat was mit dem Selbstwert, mit dem Annehmen zu tun, „weil Geben seliger denn Nehmen ist.“ Und vor allem mit dem Mut, Verantwortung für die eigenen Fähigkeiten zu übernehmen und sich zu trauen, diese umzusetzen. Es ist wichtig zu unterscheiden, ob wir unsere persönliche Richtung gefunden haben oder ob wir im Phantasieren und Träumen sind. Wir Menschen werden nicht nach unseren Absichten, sondern nach unseren Handlungen beurteilt. Also sollte es aus unserer persönlichen Richtung auch irgendwann Ergebnisse geben. Dem Neuen sollten wir Zeit und Raum in unserem Leben gewähren und am besten ein, zwei sehr gute Freundinnen und Freunde einweihen, um sie als Unterstützer zu gewinnen. Spätestens sie machen einem die positiven Zeichen von außen so deutlich, dass man sie tatsächlich hört und wahrnimmt. Und dann empfehle ich: Mit voller Kraft voran!
Mit voller Kraft voran: was tun Sie, um direkt ins Handeln zu kommen, und wie erreichen Sie es, dann auch kontinuierlich dabei zu bleiben?
Entwicklungen brauchen Geduld und unbestimmte Zeiträume. Resultate dagegen brauchen eingeplante Zeitfenster und Regelmäßigkeit. Das Neue soll nicht „on top“ erledigt werden. Das wäre belastend. (Sie sehen, wie wichtig das Aussortieren und Loslassen schon wieder sind.) Ich behandle das Neue wie ein echtes Bedürfnis und plane regelmäßige Zeiten dafür ein. Um in Übung zu kommen, ist ein Termin in der Woche schon ganz prima. Drei Stunden in der Werkstatt oder ein, zwei Stunden für die Texterstellung in der Woche – man glaubt gar nicht, was man in so einer kurzen Zeit alles schaffen kann, wenn man konzentriert arbeitet! Also leicht anfangen, in Fluss kommen und dann Umfang der Aufgaben und Zeit langsam steigern.
Ideen für meine Projekte sammle ich während der Zeit, in der ich, wie jeder andere Mensch auch, den täglichen Aufgaben nachgehe oder mich erhole, Sport treibe usw. Das Geheimnis des Ideenflusses liegt in der entspannten Haltung. Es kribbelt dann schon in den Fingern, die Ideen in den dafür vorgesehenen Zeiträumen in die Tat umzusetzen.
Genauso geht es auch mit der Planung von Geschäftsideen, Erstellung von Konzepten, Aufbau einer neuen Kooperation usw. Wie viele Projekte sind gescheitert, weil man ihnen keine Chance gab, zu leben. Bequemlichkeit? Keine Zeit? Kein Interesse? Zerredet?
Ich glaube, man soll vor allem jungen Menschen vorleben, wie es wirklich ist, wenn man sich selbst und die eigenen Ziele ernst nimmt. Solche Vorbilder motivieren sie sehr. Und ich glaube auch, mit solch einem Geist sind sie überhaupt erst zur Teamarbeit fähig.
Welche Rolle spielt Teamarbeit für Sie als Netzwerkerin?
Teamarbeit ist für mich als Mensch sehr wichtig, als Netzwerkerin sind mir darüber hinaus Ausrichtungen und Ziele der formellen und informellen Netzwerke von Interesse. Ganz besonders achte ich auf die Lebendigkeit, Tatenfreude und Attraktivität des Netzwerks auf die gesetzten (gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, kulturellen ...) Ziele hin und ob diese mit meinen Interessen und Zielen übereinstimmen. Erst dann ist ein Engagement sinnvoll.
Die Netzwerk-Ziele sollen nicht nur in Sonntagsreden und auf den Websites auftauchen, sondern auch tatsächlich gelebt werden. Ich kenne muntere, rege Netzwerke, deren Mitglieder motiviert an den gemeinsam festgelegten Zielen arbeiten, sich Unterstützung geben und Know-how austauschen. Es ist ein schönes Geben und Nehmen dort, das vor allem von modernen Vorständen und erfahrenen Mitgliedern vorgelebt und in die Breite gegeben wird. Solche Menschen sind Teamarbeiter. Sie können delegieren, überlassen Arbeitsgruppen die Verantwortung für neue Ideen und sorgen für Informationsfluss (Newsletter, Zeitschriften ...) unter den Mitgliedern und nach außen. Egoistische Interessen dagegen, Profilierungssucht und das Unvermögen, demokratisch zu führen, also auch Kompromisse zu akzeptieren und loszulassen, wenn es Zeit ist, zerstören unglaublich viel Potenzial – und das in einer sehr kurzen Zeit.
Neue Netzwerke werden gegründet und viele wieder aufgelöst. Wenn das Ziel, z.B. gegenseitige Unterstützung von einer Gruppe von Unternehmensgründern über eine bestimmte Zeitspanne hinweg erreicht ist, zerfallen diese Gruppen möglicherweise dann. Das ist o.k. für so eng definierte Ziele. Wenn diese Menschen gut zusammengewachsen sind und einen echten Teamgeist entwickelt haben, wird sicher etwas Neues aus diesem Zirkel entstehen. Nur gute Leute ziehen interessante Menschen an.
Der Trend geht heute weg von großen Gebilden mit großen ehrenamtlichen Aufgaben in Richtung kleiner Netzwerke, zeitlich befristeten Arbeitsgruppen und Erfolgsteams mit ganz konkreten, praktischen Zielen, von deren Erreichung die Mitglieder direkt profitieren.
Auch wenn heute vieles aufgrund der schnellen Kommunikationsmöglichkeiten leichter zu gehen scheint als früher, Netzwerke sind weder Selbstläufer, noch Selbstbedienungsläden. Kommen und absahnen, das geht nicht gut. Es bedarf schon des Interesses an anderen Menschen. An den Netzen haben viele engagierte Menschen, an manchen gar Generationen mitgewirkt und vieles wurde erreicht. Und dadurch gibt es eine Menge an Wissen und an Kontakten. Wer netzwerken will, muss auch klar sagen können, was er sucht oder will, damit sein Anliegen über die Netze getragen werden kann und er muss auch bereit sein, zu geben, wenn er gefragt wird. Dann ist ein Resultat oder eine konkrete Unterstützung bald in Sicht.
Die junge Generation hat heute ihre eigenen Ziele und Bedürfnisse. Ihre Bedürfnisse und ihr Engagement sollten in bestehenden Verbänden, die über Nachwuchsmangel und Überalterung klagen, ernsthaft berücksichtigt und integriert werden, damit Netzwerke den Generationensprung überleben und attraktiv bleiben. Wer interessiert sich schon für einen eingeschlafenen Verein?
"Es ist nicht wichtig, geniale Inhalte zu erzählen. Es ist aber wichtig, Dinge des Lebens genial zu erzählen." - Was verbinden Sie mit Ihrem Lebensmotto?
Mein Satz zeigt, wie wichtig es mir ist, die kleinen Dinge im Leben nicht zu übersehen, sie nicht dem großen Streben nach Erfolg, nach Schein, nach Rampenlicht zu opfern. Die kleinen Perlen im Leben, die kleinen Begebenheiten sind oft so bewegend, dass es sich lohnt, sie aufzuheben und über sie z.B. ganz spannende Geschichten zu erzählen. In den Biographien von berühmten Persönlichkeiten finden sich doch genug Berichte darüber, wie kleine, scheinbar unbedeutende Begebenheiten am Rande ihres Weges große Perspektivenwechsel und Änderungen in die richtige Richtung bewirkten. Darauf zu achten, das wirkliche Leben zu beobachten und das Besondere daran zu erkennen, das ist in meinen Augen die wahre Kunst zu leben.
Frau Schoch, herzlichen Dank für das Interview.
Mehr zu Eva Schoch unter: www.es-erfolgsstrategie.de.